Liebe Eltern!

 

Die Novitäten der letzten Jahre sind gewohnter Bestandteil des Schulalltags geworden – so wurde die Zentralmatura im heurigen Schuljahr bereits zum dritten Mal abgewickelt. Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung, das gilt grundsätzlich auch für das österreichische Schuluniversum.

 

Die Veränderungen, die wir mit der Umsetzung der bevorstehenden großen Bildungsreform erwarten dürfen, harren aber weiterhin des Konsenses und eines finalen Beschlusses. Es soll eine Reihe von Neuheiten geben. Die meisten Themen sind für die Schulpartner unbefriedigend definiert. Die Politik hat sich an einer tieferen Zusammenarbeit und Abstimmung der Details mit den Betroffenen nur wenig interessiert gezeigt.

 

Ginge es nach den Eltern, wie sähe eine Bildungsreform nach unseren Wünschen aus? Mehr Autonomie für die Schulen klingt doch gut – außer es handelt sich um einen Etikettenschwindel. Es gibt wie immer Fakten und alternative Fakten. Glaubt man den Politikern, werden die Schulen durch die Autonomiebestrebungen aufgewertet, und Schulleiter erhalten mehr Gestaltungsfreiheit, um in Zukunft inhaltliche Schwerpunkte definieren zu können.

 

Die höchsten Elternvertreter des Landes sprechen dagegen von einer bevorstehenden Mangelverwaltung, auch laut Lehrergewerkschaft sei das sogenannte Autonomiepaket ein reines Struktur- und Verwaltungspaket. Außerdem - mehr Autonomie für die Schule bedeutet aus Sicht der Eltern eine Entmündigung der Schulpartnerschaft, wenn in Zukunft alle den Schulstandort betreffenden Entscheidungen vom Schulleiter alleine getroffen können. Der Schulgemeinschaftsausschuss (SGA), das Gremium, das sich unter dem Vorsitz des Schulleiters aus drei Eltern, drei Lehrern und drei Schülern zusammensetzt, hat nach derzeitigem Stand nach der Bildungsreform lediglich beratende Funktion und entscheidet nicht mit.

 

Ist das eine Verschlechterung im Vergleich zum Status quo? Eigentlich ja. Heute ermöglicht der SGA, dass sich Schulpartner einbringen und man gemeinsam die Weiterentwicklung der Schule diskutiert. Es sind die proaktiven, engagierten Lehrer, Schüler und Eltern, die an der Schulentwicklung teilhaben wollen. Der SGA ist das Gremium dafür, und das Schulunterrichtsgesetz regelt im Detail, was gemeinsam beraten und entschieden werden kann – Beispiele sind die Entscheidung über mehrtägige Schulveranstaltungen, die Durchführung und Terminfestlegung von Elternsprechtagen, der Beschluss über die Verwendung der schulautonomen Tage, oder auch sämtliche finanzielle Entscheidungen der Schulgemeinschaft.

 

Die Mitbestimmungsrechte der Eltern sind selbstverständlich nur ein Aspekt. Letztlich zählt bei Bildungsreform vulgo Autonomiepaket, was im Klassenzimmer ankommt und wovon unsere Kinder profitieren. Auf den Punkt gebracht muss Autonomie für die Schule bestmögliche Qualität des Unterrichts zum Wohle unserer Kinder bedeuten – mit motivierten, einfühlsamen Lehrern und einer zeitgemäßen technischen Infrastruktur, mit den größtmöglichen Chancen für alle Schülerinnen und Schüler.

 

An dieser Stelle bedanke ich mich für die regelmäßig interessanten und konstruktiven Diskussionen im SGA und gratuliere Frau Direktor Kadletz und den Damen und Herren Professoren zu den Erfolgen bei den bifie Standardüberprüfungen und der Zentralmatura.

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer!

Mag. Alexander Strobl