Liebe Eltern !

 

Wir haben mit unseren Kindern entschieden, dass der Besuch eines Gymnasiums das für uns beste Angebot des Schulsystems darstellt. Was bedeutet das ?

 

Das Gymnasium mit seiner breiten, nicht auf unmittelbare Zwecke ausgerichteten Allgemeinbildung blickt auf eine 200 Jahre andauernde Erfolgsgeschichte zurück. Der Besuch eines Gymnasiums gilt als höchst attraktiv, um den Kindern sämtliche Türen für ihre Ausbildung und Zukunft zu öffnen. Dem Gymnasium werden Qualitäten und Leistungen zugeschrieben, die eine umfassende Hochschulreife sichern. Mit dem Gymnasium wird Offenheit nach oben (statt Nivellierung nach unten) assoziiert.

 

Bildungsreform hin, Bildungsrevolution her - es muss ein zentrales Anliegen der Bildungspolitik und aller Beteiligten sein, die Qualität des Gymnasiums zu sichern und zu entwickeln. Dazu gehört die Weiterentwicklung des Unterrichts in Richtung Kompetenzorientierung und Individualisierung. Dazu gehört auch die Förderung der in unserer immer komplexer werdenden Welt wichtigen Schlüsselkompetenzen Neugier, Kreativität, Originalität, Orientierung und Teamgeist. Und die Vermittlung klarer Perspektiven gehört dazu.

 

Die Bildungsstudie des neuseeländischen Erziehungswissenschafters John Hattie zeigt, dass eine Schule, ungeachtet des Schultyps, so gut ist wie ihre Lehrer – er kommt in seiner Untersuchung zu dem Schluss, dass der Lernerfolg der Schüler sehr wesentlich vom Lehrer und seiner Arbeit abhängt. Dabei geht es weniger um persönliche oder berufliche Merkmale, sondern um „die Qualität der Effekte von Lehrpersonen auf das Lernen“. Es ist also die Art des Unterrichtens, die Definition von klaren Lernzielen, das Beschreiten alternativer Lernwege,  und die Entwicklung einer ausgeprägten Feedbackkultur (in alle Richtungen).

 

Eine anderer Ansatz kommt zu dem Ergebnis, dass eine Schule nur so gut sein kann wie ihre Schüler. Diese Erklärung zielt vor allem auf das Verantwortungsbewusstsein der Eltern ab. Und es lässt sich auch ein Modell basteln, nach dem die Qualität einer Schule auf die Eltern bzw auf deren Interesse an einer profunden Allgemeinbildung rückführbar ist – so argumentieren zum Beispiel Lehrer an Privatschulen.

 

Qualität kann nicht verordnet werden, sie wächst aus der Überzeugung der Beteiligten. Es geht vor allem um Haltungen und Einstellungen. Es braucht das Engagement der Lehrer und der Eltern, die Jugend  bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit und beim Erlernen der diversen Kulturtechniken zu unterstützen. Es braucht die Bildung von Verantwortungsbewusstsein bei unseren Kindern, Leistungsbereitschaft und –fähigkeit, und das Bewusstsein für Freude an der eigenen Leistung.

 

Die Qualität einer Schule  hängt von der Kondition der Mitglieder der Schulgemeinschaft, Lehrer – Schüler – Eltern, ab. Hohe Motivation der Lehrenden und der Lernenden in Verbindung mit Eigeninitiative und Wissbegierde muss das große Ziel jeder Schule sein.

 

Ob ein Gymnasium grundsätzlich die beste Wahl für die Ausbildung ist, hängt von den Vorstellungen der Eltern und ihrer Kinder ab. Es geht um die  Antworten auf die Fragen: Welche Schwerpunkte bieten acht Jahre AHS mit dem Abschluss AHS Matura, halten wir diese für essentiell und - ist der Nachwuchs dafür voraussichtlich geeignet? Ist neben einer fundierten Allgemeinbildung ein vielfältiger und qualitativ hochwertiger Sprachunterricht wichtig? Oder ist es die Bildung im naturwissenschaftlichen, sportlichen oder musisch-kreativen Bereich?

 

Durch eine Ausbildung am Gymnasium soll der Einstieg in wissenschaftliche und wirtschaftliche Berufsfelder erleichtert werden. Ein wichtiges Element der AHS-Ausbildung sollte eine eine fundierte und detaillierte Berufsorientierung sein, und auch lernen lernen gehört dazu.

 

Wir haben an unserer Schule, am BG und BRG Hollabrunn, hoch motivierte Lehrer, Schüler und Eltern, und auch die Rahmenbedingungen sind sehr gut. Selbstverständlich gibt es „room for improvement“, und auch der Elternverein versucht, mit diversen Aktivitäten und Initiativen positiv beizutragen.

 

Ich bedanke mich bei der Direktion, allen Lehrern und Schülern, und bei den Eltern für die gute Zusammenarbeit und Ihren aktiven persönlichen Einsatz und wünsche Ihnen allen einen schönen Sommer !

 

Mag. Alexander Strobl

 

Hollabrunn, im Juni 2013